Grafikdesign-Trends 2019

Schon im letzten Jahr ging es im Grafikdesign darum, Risiken einzugehen und mutig zu sein. 2019 muss man allerdings nochmal einen Zahn zulegen, um gesehen zu werden. Das heisst: noch lebendigere Farbpaletten, noch fettere Schriften, noch innovativere Kompositionen. Welche Grafikdesign-Trends in diesem Jahr am meisten herausstechen werden, haben wir hier zusammengestellt.

Knallige Farben

Elektrisches Gelb, helle Koralltöne (wie z.B. die PANTONE Color of the Year 2019) und leuchtendes Blau: Die etwas sanfteren Farbpaletten der vergangenen Jahre werden dieses Jahr ersetzt respektive ergänzt durch Knallfarben. Für das Bewerben des neuen iPad Pro hat der Trendsetter Apple bunte Farbexplosionen verwendet. Auf den Ultra-HD-Bildschirmen kommen diese Farben umso mehr zur Geltung. Spotify ist den neusten Designtrends auch oft voraus und setzt bei der Fortsetzung seiner Plakate aus lustigen Nutzerdaten ebenfalls auf leuchtende Farben. Auf ihren Playlist-Covers schlossen sich die Farbpaletten der letzten Jahre zu Verläufen mit etwas helleren, pastelligen Tönen und knalligen Duotone-Kompositionen zusammen.

Verläufe und Duotones

Farbverläufe sind schon seit ein, zwei Jahren wieder im Trend und auch dieses Jahr wieder vorne mit dabei. Genauso wie die Duotones (auch bekannt als Duplex – die Verwendung lediglich zweier Farbtöne) werden sie dieses Jahr kreativer und komplexer eingesetzt als nur in vollflächigen Hintergründen. Beide Designtechniken werden z.B. auch im Logodesign anzutreffen sein oder als Farbfilter verwendet, für Konsistenz und Wiedererkennung in der Gestaltungssprache und als Marketingstrategie.

Bunter Minimalismus

Typischerweise werden mit Minimalismus im Design oft Kombinationen von Schwarz, Weiss und allerhöchstens ein paar wenigen neutralen, schwachen Farbtönen in Verbindung gebracht. Das geht auch anders! Am wichtigsten sind das Reduzieren aufs Nötigste und einfaches, effizientes, unkompliziertes Design. Farben dürfen dabei durchaus ins Spiel gebracht werden. Jetzt heissts: sich trauen und noch mehr Pop in minimalistische Designs bringen, sodass sie einem direkt ins Auge springen.

Zwei Plakatdesigns, die alle drei Farbtrends sehr schön zum Ausdruck bringen:

Links: Plakat «Ugo Dossi» für die Kunsthalle Göppingen von burkhardthauke, rechts: Projekt «Baugasm Season #3» von Vasjen Katro

Fette Schriften

Fette Schriften und Schriftschnitte sind in den letzten Jahren fast schon zum Standard geworden und gewinnen weiterhin an Beliebtheit. Kein Wunder, denn sie vermitteln Stärke, Selbstbewusstsein, Innovation, Gewagtheit und Wichtigkeit. Die Typografie in diesem Stil kann im Layout als dominierendes Hauptelement eingesetzt werden, kommt aber genauso gut in Kombination mit anderen Grafikelementen zur Geltung – die Harmonie macht es aus. Sie hebt sich in jedem Fall gut ab und weckt Interesse, auch wenn man vielleicht nichts über den Brand weiss. Das Ganze funktioniert natürlich auch nur mit Outlines oder in 3D und zieht so erst recht alle Blicke auf sich.

Stofftasche mit grossem Font-Print aus Baboon Branding von Sagmeister & Walsh

Serifen

Als Pendant zu den viel genutzten serifenlosen Schriften wird die Bandbreite immer mehr um moderne Serifenschriften erweitert. Entgegen ihren Vorurteilen «brav» und «charakterlos», können Serifenschriften genauso auffällig und stark wirken wie serifenlose Schriften – man hebt sich sogar umso mehr ab! Sei es im Web auf grossflächigen Landingpages, auf Verpackungen oder sonst wo: Es können sehr elegante, innovative und minimalistische Kompositionen entstehen.

Packaging Design für Veld & Vaas vom Studio de Ronners mit einer kontrastreichen Serifenschrift

Dynamic Corporate Design

Mittlerweile ist man sich als Designer oder Unternehmerin bewusst, dass Logos auf verschiedenen Plattformen und Medien eingesetzt werden. Nun beschäftigt man sich nicht mehr nur mit crossmedial und plattformenübergreifend funktionierendem Design, sondern auch damit, wie man verschiedene Zielgruppen ansprechen und (potenzielle) Kunden an sich binden kann. Mit Corporate Designs aus verschiedenen Elementen wie Icons, Typografie, vielfältigen Farbwelten und Mustern – welche beliebig miteinander kombiniert werden können, aber nicht müssen – entstehen dynamische Logos und Markenwelten mit Anpassungsfähigkeit. Durch die passende Wahl, Kombination und Animation der Designelemente können verschiedene Communities auf allen möglichen Plattformen angesprochen werden.

«Public Space»-Identity mit austauschbaren Piktogrammen vom Sulliwan Studio

Broken Grid und Asymmetrie

Nach Jahren voller Raster, Richtlinien und Boxen traut man sich nun zu offeneren, asymmetrischen Kompositionen. Mit viel Whitespace und ohne klare Hierarchie sind die Elemente lose aneinandergebunden, als könnten sie wegfliegen oder schweben, wie z.B. auf dieser Website. Dies scheint auf den ersten Blick vielleicht chaotisch, ist aber alles andere als zufällig und benötigt umso mehr gutes Händchen fürs Design. Beim Betrachten hat man manchmal das Gefühl, nur einen Teil des Gesamtbildes zu sehen, und wird neugierig. Umso mehr muss man sich anstrengen und aufmerksam sein – wäre ja sonst langweilig.

Links: Schwebende Donuts – eines der vielen tollen Digital Artworks von Ben Fearnley, rechts: Broken Grid Plakatdesigns für Hedgehog Fibres von Belu Design

Illustrationen

Individuelle handgezeichnete Illustrationen – flat, isometrisch oder 3D – sind überall und somit vielleicht sogar der Designtrend des Jahres. Man sieht vermehrt komplexere, «echtere», rohe und auch feine, detaillierte Zeichnungen. Im Packaging kommen diese in Kombination mit hochwertigen Materialien besonders schön zur Geltung. Dass sie im Web besonders gut interaktiv und animiert funktionieren, haben wir ja bereits erzählt. In allen Medien sind sie eine gute Möglichkeit, verschiedenste Inhalte und Prozesse zu vermitteln und zu verbildlichen. Sie machen einen Brand einzigartig und heben ihn visuell hervor. Brands wie Mailchimp, Asana und Slack zeigen vor, wie Kommunikation mit Illustrationen auf verschiedene Arten funktionieren kann.

#madewithclus für Subsidia – das umfassende Warenwirtschaftssystem für die Lifestyle-Branche

Fotografie

Zwar nicht direkt Teil des Grafikdesign, spielt die Fotografie doch immer eine grosse Rolle, und zwar bereits in der Phase der Corporate-Design-Entwicklung. Spätestens wenn man beginnt, Logoelemente in Beispiel-Umsetzungen zu setzen, kommen sie zum Einsatz, und die Suche nach passenden Stockfotos beginnt. Denn ohne gute Fotos nützt auch die beste und trendigste Grafik nichts, und ohne Bildwelt mit definiertem Fotostil ist ein Corporate Design nicht komplett.

Natürlichkeit

Sind wir ehrlich: Wir können diese ewig gleich aussehenden, generischen Stockfotos nicht mehr sehen. Immer mehr werden deshalb authentische, einzigartige Fotos von echten Situationen verwendet, die aussehen, als wären sie von Freunden mit einem Handy geknipst worden – Stockfotos, die nicht wie Stockfotos aussehen, sondern eher wie direkt vom Instagram-Feed der Cousine. Als Betrachterin oder Betrachter soll man in der Lage sein, sich selbst in die Szene des Fotos hineinzuversetzen. Es soll eine Geschichte erzählt und Inhalte transportiert werden, statt nur einen leeren Platz zu füllen.

«Skiing with friends» von Envato vs. #firmenskitag von CLUS

Man merkt: Alles schreit nach bunten Farben, möglichst fetten Schriften, Nonkonformität, Asymmetrie, Flexibilität, Dreidimensionalität und Animation aller möglichen Elemente, und vor allem: nach Aufmerksamkeit im Designjungle voller Brands, die wahrgenommen werden möchten. Nur nicht übertreiben, sondern schön harmonisch im Gleichgewicht bleiben! Und bitte ganz natürlich lachen auf dem Föteli, gell.