Dark Patterns – die dunkle Seite

Sie kosten Zeit, Geld und Nerven und fast jeder und jede ist ihnen schon mal begegnet: Dark Patterns – böswillige, perfide Muster in Interfaces, die die Benutzerin dazu führen, gegen ihren Willen zu handeln und in der Regel in Mehrkosten, nicht gewünschten Einkäufen oder widerwillig abonnierten Newslettern enden.

Funktionieren tun diese freilich nur, wenn sie nicht als solche erkannt werden. Daher haben wir nachfolgend ein paar der häufigsten Dark Patterns aufgeführt.

Disguised Ads – Verkleidete Werbung

Wo in Zeitungen und Magazinen noch eine gewisse Deklarationspflicht besteht und Anzeigen klar als solche gekennzeichnet werden müss(t)en, herrscht im Internet oft Wilder Westen: Anzeigen tarnen sich vom Design her als regulären Content einer Newsseite oder sind von den richtigen Related Articles kaum zu unterscheiden. Sie tummeln sich, minimal gekennzeichnet, in persönlichen Timelines oder verwenden als Pseudo-Referral-Marketing das Profilbild deiner Freunde, um für ein Produkt zu werben (siehe auch Friend Spam).

Bait & Switch – Lockvogeltaktik

Ein sehr häufiges und sehr ärgerliches Muster: Die Benutzerin klickt oder tippt auf einen Button oder ein Icon mit einer bestimmten Absicht und etwas anderes, Unerwünschtes geschieht. Kannte man früher vor allem von Werbe-Popups, bei denen der vermeintliche Schliessen-Button die Werbung im Hintergrund in einem neuen Tab öffnete. 🤬

Hidden Costs – versteckte Kosten

Versteckte Kosten sind nicht direkt (oder nur schwer) ersichtliche Aufpreise, die im Verlauf eines Checkouts dem zu Beginn kommunizierten Preis hinzugerechnet werden.

Beispiele dafür sind versteckte Lieferkosten und Gebühren oder das Weglassen der Mehrwertsteuer bis möglichst kurz vor der Bestätigung des Einkaufs.

Auch bei Flugbuchungen sind solche versteckte Kosten Usus, und in Kombination mit dem ständigen Upselling während des Buchungsprozesses führt dies bisweilen zu extremen Differenzen gegenüber zum am Anfang aufgeführten Preis.

Dabei nutzt der entsprechende Service die Tatsache aus, dass man ab einem gewissen Punkt im Buchungsprozess bereits so viel Zeit investiert hat, dass man nicht mehr «umkehren» möchte, sondern lieber die bittere Pille schluckt.

Misdirections – Irreführungen

Ein fieser Trick, bei der die Benutzerin (zumeist visuell) absichtlich zu einer Option gedrängt wird, um sie von der für sie meist vorteilhafteren abzulenken.

Ähnlich: Abmelde-Links in Newsletter, die unauffälliger formatiert sind als die restlichen Links im gleichen Newsletter.

Trick Questions – Fangfragen

Fragen in Modals, die man oft drei- oder viermal lesen muss, bevor man sie versteht und entsprechend richtig klickt. Solche Fälle sind nicht ausschliesslich auf Böswilligkeit zurückzuführen, sondern oftmals schlicht und einfach auf schlechtes oder zumindest unüberlegtes (Micro-)Copy Writing, welches auf vordefinierte Button-Labels trifft.

Weitere Dark Patterns

Auf der Website darkpatterns.org von Harry Brignull – dem Begründer des Begriffs – findet man ausführliche Informationen und Beispiele über sämtliche unschönen Tricks und Maschen. Darunter auch solche wie Forced Continuity oder Sneak into Basket, die bisweilen ordentlich ins Geld gehen!

Was tun?

… als Benutzerin

Als Benutzerin sollte man versuchen, sich solcher Dark Patterns bewusst zu sein und quasi mit offenen Augen zu surfen. Schliesslich funktioniert ein Betrug nur dann, wenn er nicht als solcher erkannt wird. Und bei wirklich bösartigen Manövern kann man ja sonst auch mal auf Public Shaming zurückgreifen. Dark Pattern beispielsweise sammelt auf Twitter besonders unschöne Exemplare und stellt sie so für alle sichtbar an den Pranger.

… als Designerin/Entwicklerin

Als Designerin oder Entwicklerin gilt es, Dark Patterns zu kennen und wenn immer möglich zu vermeiden. Das kann mitunter auch bedeuten, sich gegen den Wunsch des Kunden zu stellen. Aber Design ist immer auch Beratung. Und in der Regel wünscht sich kein Kunde unzufriedene Besucherinnen.

Dark Patterns mögen zwar kurzfristig funktionieren, machen längerfristig jedoch vor allem eines: unzufrieden.